CHILE - HISTORISCHE DATEN
12.2.1818:
Chile proklamiert die Unabhängigkeit von Spanien.
1833:
Verfassung (bis 1925 gültig)
Seit 1840:
Erschließung und Besiedlung des noch von freien Araukanern bewohnten Südens
durch deutsche Einwanderer
1879-83:
Salpeterkrieg gegen Peru und Bolivien. Chile gewinnt Weltmonopol für Salpeter,
außerdem reiche Kupfervorkommen. Durch Bodenschätze und Handel günstige
wirtschaftl. Entwicklung. Geldaristokratie der Unternehmer und Grundbesitzer
bildet sich heraus.
1929-32:
Schwere soziale Unruhen im Zusammenhang mit Weltwirtschaftskrise, mit
kommunistischem Aufstand, Ausruf sozialistischer Republik, die niedergeschlagen
wird.
1948-57:
Verbot der kommunistischen Partei
1957:
Bündnis Frente Acción Popular (FRAP) kommt zustande, jedoch nicht an die
Regierung
1964:
Wahlkampf zwischen Senator Salvador Allende (FRAP) und Eduardo Frei
(Christdemokraten)
1964-70:
Erste christdemokratische Regierung Lateinamerikas sieht sich als demokratische
Alternative zur revolutionären kubanischen Lösung. Bildungs- und
Erziehungsreform, Bekämpfung der Inflation.
28.6.67: Längst überfällige Agrarreform, die die Enteignung und Umverteilung
bestimmter Ländereien vorsieht.
Chilenisierung des Kupferbergbaus wird von den USA unterwandert, Chile
verschuldet sich.
4.9.1970:
Salvador Allende gewinnt mit knapper Mehrheit die Wahlen
1971:
Nationalisierung des Kupferbergbaus und
Radikalisierung (1971/72) der Agrarreform (Enteignungen von Ländereien)
führt zu Problemen: Arbeitskonflikte, administrative und technische Mängel
reduzieren angestrebte Produktion. Investitionsboykott der Wirtschaft,
Hindernisse gegen Verstaatlichungen im Kongress.
Okt. 1972:
Erster Streik der Fuhrunternehmer, Verhängung des Ausnahmezustands in 21
Provinzen
1973:
Wiederholte Kabinettsumbildungen; in beiden Kammern des Kongresses hat die
Opposition die Mehrheit. Auf dem Weltmarkt sinken die Kupferpreise, hohe
Inflationsraten machen anfängliche positive Wirtschaftsergebnisse zunichte.
Hortungsmaßnahmen der Bevölkerung. Versorgungskrise. Die Regierung Allende
verschuldet sich stark im Ausland.
1973:
Beziehungen mit USA erreichen Tiefpunkt: US-Konzern ITT versucht Allende zu
stürzen, auch CIA agitiert.
Juli-Aug. 1973:
erneuter Streik der Transportunternehmen sowie Putschversuch bringen Chile an
den Rand eines Bürgerkrieges.
11.9.1973:
Putsch der Streitkräfte unter Anführung von General Pinochet. Tod Allendes.
Militärjunta unter General Augusto Pinochet (ab Juli 1974 "Oberster Führer der
Nation") verhängt Ausnahmezustand, hebt Verfassung auf. Auflösung des
Kongresses und der Parteien, Gewerkschaftsbund für illegal erklärt. Welle von
politischen Verfolgungen, Deportierungen und Erschießungen. Für 1980 neue
Verfassung angekündigt.
Die Wirtschaftspolitik der Militärjunta: Mit Ausnahme der Kupferbergwerke
werden die Betriebe reprivatisiert, die Kosten der Maßnahmen tragen vor allem
die unteren Schichten, es folgen extreme Inflationsrate und Arbeitslosigkeit,
dieses und die innenpolitischen Verhältnisse schrecken ausländische Investoren
ab.
25.9.1973:
Offizielle Anerkennung der Militärregierung durch die USA
4. bis 19.10.1973:
Eine von General Pinochet ausgesandte und unter dem Namen "Todeskarawane"
bekannte Armeeeinheit unter Anführung von General Sergio Arellano Stark
exekutiert 75 Personen im Norden Chiles.
6.10.1973: Gründung des Comité por la Paz,
einer ökumenischen Gruppe zur Verteidigung der Menschenrechte, Vorgänger der
Vicaría de la Solidaridad.
14.6.1974:
Pinochet gründet formal den chilenischen Geheimdienst DINA, der direkt der
Militärjunta unterstand. Die DINA ist die für ihre Menschenrechtsverletzungen
berüchtigtste Agentur in Chile, sie operiert in verschiedenen geheimen Haft-
und Folterzentren und nimmt an Verbrechen außerhalb des Landes teil, wie die
Ermordung Orlando Leteliers in Washington und vom Ehepaar C. Pratts in
Argentinien.
1974:
Die Christdemokraten und die Kirche distanzieren sich, als das Ausmaß der
Verfolgungen politischer Gegner bekannt wird.
Nov. 1974: Cardenal Silva Henríquez tritt von
seinem Posten als Kanzler der Katholischen Universität zurück, aus Kritik an
der Invasion der Universität durch Militär.
28.11.1974: Das Comité por
la Paz stellt einen Antrag auf recurso de amparo für 131
"Verschwundene". Im März 1975 behauptet der Präsident des Obersten Gerichts,
dass die Gesuchten heimlich das Land betreten oder verlassen haben.
27. Febr. 1975:
Gründung der ‚Sonderarbeitsgruppe Chile' der Vereinten Nationen
1.9.1975: Gründung des Comando Conjunto,
einer antikommunistischen Schwadron, zusammengesetzt aus Mitgliedern des
Luftwaffengeheimdienstes, Paramilitärs und uniformierter Polizei, die für
mindestens 30 "Verschwundene" (nach anderen Quellen 70) verantwortlich ist.
8.10.1975: Dem Co-Präsidenten des Comité para
la Paz, dem lutheran. Bischof Helmut Frenz wir die Wiedereinreise verweigert.
27.11.1975: Auflösung des
Comité para la Paz unter starkem Druck der Militärregierung
5.1.1976: Formale Gründung der Vicaría de la
Solidaridad zur Verteidigung der Menschenrechte. Unter der Leitung des Kirche
legale, finanzielle, technische und spirituelle Unterstützung sowie
Dokumentation. Heute Dokumentationszentrum und Archiv.
5.1.1976: Die Interamerikanische
Menschenrechtskommission prangert die Menschenrechtsverletzungen in Chile an,
der entspr. Bericht wird in El Mercurio veröffentlicht, dieses ist die erste
öffentliche Anzeige diesen Ausmaßes.
9.1.1976: Durch Verfassungsakt N° 1
Schaffung des Consejo de Estado als Beratungsgruppe der Regierung. Aus
Ex-Präsidenten und 16 vom Präsidenten Berufene zusammengesetzt, Ex-Präs.
Eduardo Frei verzichtet auf Teilnahme.
16.7.1976: Der span. Diplomat Carmelo Soria
wird mit Anzeichen von Folter und Würgen aufgefunden, der Mord wird später der
DINA zugerechnet, das Amnestiegesetz angewendet.
1976:
Chile tritt aus dem Andenpakt aus und nähert sich den La-Plata-Staaten.
21.9.1976: Orlando Letelier, Ex-Botschafter
der Regierung Allende in den USA und Kritiker Pinochets, und Ronnie Moffit
fallen einem Autobomben-Attentat in Washington zum Opfer.
17.11.1976: Die Junta lässt
304 polit. Gefangene frei.
17.12.1976: In einem
geheimen Akt in Zürich werden der Generalsekretär der Kommunistischen Partei
Chiles, Luis Corvalán, und der sowjetische Dissident und Schriftsteller,
Vladimir Bukovsky, ausgetauscht.
14.6.1977: Um auf die Thematik der
"Verschwundenen" hinzuweisen, führen Familienangehörige von "verschwundenen"
Gefangenen einen Hungerstreik in der Filiale der lateinamerikanischen
Wirtschaftskommission der UNO (CEPAL) durch.
9.7.1977: General Pinochet stellt die
Schritte eines graduellen Wechsels zur Neuen Demokratie vor, Beginn Jan. 1981
mit Verfassungsreformen. Die Junta soll bis 1985 bestehen, danach Wahlen, die
Opposition kritisiert die Dauer des Militärregimes bis 1985.
13.8.1977: Dekret der Auflösung der DINA (die
durch die CNI - Nationale Sicherheitspolizei ersetzt wird, die die gleiche
Rolle spielen wird).
16. Dez. 1977:
Wegen fortgesetzter Verletzung der Menschenrechte verurteilt die
UNO-Vollversammlung Chile.
4. Jan. 1978:
General Pinochet lässt eine Volksbefragung durchführen, die 75,3% Ja-Stimmen
für die "Verteidigung der Würde Chiles" erbringt. Darüber kommt es innerhalb
der Militärjunta zu einer Krise, wonach General Gustavo Leigh Guzmán, der
Demokratisierung forderte, ausgeschlossen wird.
10. März 1978:
wird der seit 1973 herrschende Belagerungszustand durch den Ausnahmezustand
ersetzt.
19.4.1978:
Generalamnestie für alle zw. dem 11.9.1973 und 10.3.1978 verübten Verbrechen
per Dekret N° 2.191, der Mord an Letelier-Moffit ist ausgenommen.
30. Nov. 1978:
entdeckt eine Untersuchungsgruppe aus Mitgliedern der Priesterschaft und
Redakteuren zweier chilenischer Zeitschriften einige Leichen in einem
stillgelegten Bergwerk bei Lonquén.
20. Dez. 1978:
fordert die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Regierung Chiles auf,
ohne Verzögerung die grundlegenden Menschenrechte und Freiheiten
wiederherzustellen sowie die Bestimmungen der (von Chile unterzeichneten)
internationalen Vereinbarungen einzuhalten.
1979:
einige Gewerkschaftsrechte werden wieder hergestellt.
11.9.1980:
In umstrittener Volksabstimmung wird eine neue Verfassung gebilligt.
11.3.1981:
Die neue Verfassung tritt in Kraft. Amtseinführung Pinochets für 8 weitere
Jahre als Präsident und Oberbefehlshaber.
11.5.1983: Auf "Aktionstage" der Opposition
mit Streiks und Demonstrationen antwortet die Regierung mit Razzien und
Verhaftungen, es gibt Tote und Verletzte.
4.5.9.1984: Bei den 10.
"Nationalen Protesttagen" weitere Tote, Verletzte und Verhaftete.
Aug. 1985: Bombenanschläge und verstärkte
Unruhen gegen das Regime Pinochet.
Juli 1986: Landesweite Streiks und blutige
Unruhen
7./8.9.1986:
Attentatsversuch des Frente Patriótico Manuel Rodríguez (FPMR) auf
Pinochet, Ausnahmezustand wird bis 31.12.86 verhängt.
1988: 16 regimekritische Parteien
gründen das Comando por el No - der Zusammenschluss soll eine weitere
Präsidentschaft Pinochets mittels Plebiszits verhindern.
5.10.1988: Beim Plebiszit stimmen 54,6% mit
Nein.
30.7.1989: Verfassungsreferendum: 85,7%
Zustimmung zur neuen Verfassung, die die Befugnisse des Präsidenten beschränken
und seine Amtszeit verkürzen soll.
14.12.1989: der
Christdemokrat Patricio Aylwin wird zum neuen Präsidenten gewählt. Pinochet
bleibt jedoch Oberbefehlshaber der Streitkräfte.
25.4.1990: Präs. Aylwin ruft per
Präsidialdekret N° 355 die Nationale Kommission für Wahrheit und Versöhnung
(CNPR) ins Leben.
21.8.1990: Chile ratifiziert die
Interamerikanische Menschenrechtskonvention.
4. März1991: Der Bericht der
CNPR (nach dem Juristen Rettig benannt) wird von Präs. Aylwin veröffentlicht,
der Bericht zeichnet 2.025 Menschenrechtsverletzungen auf.
8.2.1992: Veröffentlichung des Gesetzes auf
Wiedergutmachung für Angehörige der Opfer.
15.4.1992: Kampagne der chilenischen NGOs,
das Amnestiegesetz zu annullieren wird initiiert, bleibt jedoch erfolglos.
Dez. 1993
Wahl von Präsident Eduardo Frei.
26 2.1994: Das
Memorial für die "verschwundenen" Gefangenen und politisch Ermordeten wird auf
dem Zentralfriedhof von Santiago errichtet.
10.12.1994:
Der Parque por la Paz wird auf dem ehemaligen Gelände der DINA eingerichtet.
21. 8.1999: der "runde
Tisch" für Menschenrechte (Mesa de Diálogo) wird auf Initiative des
Verteidigungsministers Edmundo Pérez Yoma ins Leben gerufen. Der Tisch vereint
Menschenrechtler, Vertreter der Streitkräfte, Mitglieder der Kirche und andere
Vertreter der Zivilgesellschaft, Ziel ist die Aufklärung der
Menschenrechtsverletzungen einschließlich der Frage der "Verschwundenen".
11. März 2000:
Ende der Regierung von Eduardo Frei, neuer Präsident ist Ricardo Lagos.
5. Januar 2001: Die Streitkräfte
überreichen im Rahmen der Vereinbarungen der Mesa de Diálogo eine Liste
von 200 in der Zeit zwischen 1973 und 1976 verhafteten und "verschwundenen"
Personen an Präs. Lagos.
12. August 2003: Präsident R. Lagos unterbreitet dem Parlament Regierungsvorschläge zur
Verbesserung der juristischen Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen der
Vergangenheit. Amnesty International (AI) kritisiert, dass das Amnestiegesetz
von 1978 weiterhin in Kraft bleibt und dass denjenigen Personen Straffreiheit
zugestanden wird, die den Gerichten Informationen über den Verbleib und das
Schicksal von Opfern präsentieren, dieses entspricht De-facto-Amnestien für die
Täter.
5. Nov. 2004: Der Chef der chilenischen Streitkräfte, Gen. Juan Emilio Cheyre,
weicht erstmalig von der bisherigen Behauptung ab, dass Einzeltäter für die
Menschenrechtsverbrechen der Vergangenheit verantwortlich waren, und räumt die
institutionelle Verantwortung der Streitkräfte für diese Taten ein.
28. Nov. 2004: Der Bericht der nationalen Untersuchungskommission über politische
Haft und Folter wird von Präsident Lagos veröffentlicht. Rund 28.000
überlebende Opfer der Folterpraxis der Militärregierung werden darin anerkannt.
Sie erhalten eine finanzielle Entschädigung. Die von AI und chilenischen NGOs
geforderte gerichtliche Aufarbeitung der Fälle geschieht jedoch nicht. Die
Täter bleiben anonym.
25. Jan. 2005: Das Oberste Gericht beschließt in einer Resolution, dass die
Ermittlungen in Fällen von Menschenrechtsverbrechen der Militärregierung,
einschließlich des "Verschwindenlassens" von über 1.000 Personen, innerhalb von
6 Monaten abgeschlossen sein müssen. Die Resolution entspricht weder der
chilenischen Verfassung noch internationalen Standards und bedeutet, bei
Aufrechterhaltung, eine deutliche Rücksetzung der Fortschritte, die im Kampf
gegen die Straflosigkeit in Chile während der letzten Jahre erreicht wurden.
PINOCHET: CHRONOLOGIE EINES VERFAHRENS
11.
März 1998: General Pinochet gibt den obersten
Sitz des Heeres ab und wird Senator auf Lebenszeit.
September
1998: Chiles Ex-Diktator Augusto
Pinochet reist für eine Rückenoperation nach London.
17.
Oktober 1998: Pinochet wird auf Antrag des spanischen Richters Baltasar
Garzón nach der Operation in einer Londoner Klinik unter Hausarrest gestellt.
In Spanien laufen Verfahren wegen Menschenrechtsverletzungen in Pinochets
Regierungszeit von 1973 bis 1990.
6.
November 1998: Die spanische Regierung beantragt Pinochets Auslieferung.
25.
November 1998: Die britischen Lordrichter, die höchste britische
Rechtsinstanz, entscheiden mit drei gegen zwei Stimmen, dass Pinochet keine
Immunität genießt.
17.
Dezember 1998: Die Entscheidung wird aufgehoben, weil Lordrichter Hoffmann
Verbindungen zu Amnesty International unterhält und deshalb als befangen gilt.
24.
März 1999: Die britischen Lordrichter bestätigen, dass Pinochet keine
Immunität besitzt. Das gelte aber nur für Fälle von Folter seit Dezember 1988,
weil Großbritannien erst zu diesem Zeitpunkt die Anti-Folter-Konvention
ratifiziert habe.
27.
September 1999: Nach Prüfung der Vorwürfe ordnet Großbritanniens
Innenminister Jack Straw den Beginn des Auslieferungsverfahrens gegen Pinochet
an.
8.
Oktober 1999: Ein Londoner Gericht entscheidet, dass Pinochet an Spanien
ausgeliefert werden darf.
14.
Oktober 1999: Die chilenische Regierung macht geltend, dass Pinochets
Gesundheitszustand keinen Prozess gegen ihn zulasse.
5.
Januar 2000: Vier von Jack Straw ausgesuchte Ärzte untersuchen Pinochet.
11.
Januar 2000: Jack Straw informiert die auslieferungsersuchenden Staaten
Spanien, Belgien, Schweiz und Frankreich, dass die medizinische Untersuchung
ergeben habe, dass Pinochet einen Prozess nicht durchstehen könne.
14.
Januar 2000: Amnesty International und andere
Nichtregierungsorganisationen fordern die Offenlegung des Gutachtens und eine
gerichtliche Überprüfung. Der spanische Richter Garzón fordert eine zweite
medizinische Untersuchung.
15.
Februar 2000: Eine Klage von Belgien auf Einblick in die medizinischen
Unterlagen wird positiv beschieden. Wenige Tage später werden durch eine
Indiskretion Auszüge aus dem Gutachten in der spanischen Presse zitiert.
2. März 2000: Obwohl die
auslieferungsersuchenden Staaten weiterhin die Auslieferung verlangen,
entscheidet Jack Straw, das Verfahren gegen Pinochet aus humanitären Gründen
nicht länger fortzusetzen. Pinochet kehrt nach über 500 Tagen Zwangsexil nach Chile zurück. Dort erwarten ihn über 70 Anklagen wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen.
Aug. 2000: der Oberste Gerichtshof
Chiles hebt die parlamentarische Immunität Augusto Pinochets als Senator auf
Lebenszeit auf
Dez. 2000: Richter Juan Guzmán
beantragt, Pinochet wegen Entführung und/oder Ermordung von 75 Opfern der
"Todeskarawane unter Hausarrests zu stellen. Pinochets Anwälte fechten dieses
erfolgreich an.
23. Jan. 2001: Richter Guzmán befragt
Pinochet zur "Todeskarawane" und erlässt einen zweiten Antrag auf
Untersuchungshaft. Pinochet kommt unter Hausarrest.
7. März 2001: Das Berufungsgericht
Santiago entscheidet, dass der Prozess gegen A. Pinochet weitergeführt werden
könne, schränkt die Anklage aber ein: Statt wegen Entführung und/oder schweren
Mordes soll Pinochet nur noch wegen Vertuschung vor Gericht gestellt werden.
12. März 2001: Freilassung Pinochets
gegen Kaution.
Juni 2001: Der Oberste Gerichtshof ernennt neun Richter zur ausschließlichen Untersuchung von Fällen von "Verschwindenlassen"
9. Juli 2001: Das Berufungsgericht von
Santiago entscheidet, dass Gen. A. Pinochet nicht in der geistigen Verfassung
sei, ein Verfahren durchzustehen.
22. Mai 2002: Die zweite Kammer des
Obersten Gerichts eröffnet eine zweite Anhörung darüber, ob die Anwendung der
neuen Strafrechtsnormen bei der Entscheidung vom Juli 2001 über Pinochets
Gesundheitszustand damals in der Region Santiago zulässig war.
2. Juli 2002: Das Oberste Gericht ordnet
die endgültige Schließung des Verfahrens gegen A. Pinochet im Fall der
"Todeskarawane" mit einem Votum von vier zu eins an. Diese Entscheidung könnte
ihn auch bei weiteren Verfahren schützen.
Juli 2002: Pinochet verzichtet auf seinen Senatorposten auf Lebenszeit, sein
Anrecht auf Immunität als ehemaliger Präsident tritt damit automatisch in
Kraft.
Okt. 2002: Das Berufungsgericht von Santiago lehnt das Auslieferungsersuchen
Argentiniens gegen Gen. Pinochet im Fall der Ermordung des Ehepaars Gen. Prats
ab.
28. Mai 2004: A. Pinochets Immunität wird
im Fall Operación Cóndor durch das Appellationsgericht von Santiago
mit 14 zu 9 Stimmen aufgehoben. Der Antrag war von Menschenrechtsorganisationen
gestellt worden, weil A. Pinochet im Nov. 2003 einer Journalistin ein langes
Interview gegeben hatte, in dem er nichts bereute und völlig klar schien. Die
Entscheidung wird von seinen Anwälten angefochten. (Die Operación Cóndor
war eine zwischen den Militärregierungen von Bolivien, Brasilien, Argentinien,
Chile, Paraguay und Uruguay in den 70er und 80er Jahren vereinbarte Strategie
zur grenzübergreifenden Eliminierung von Oppositionellen.)
26. August 2004: Das Oberste Gericht hebt die Immunität von General Pinochet im Fall Operación
Cóndor mit 9:8 Stimmen auf.
20. Dez. 2004: Das Berufungsgericht von Santiago erklärt die Anklageerhebung und die Aufrechterhaltung des Hausarrests
von Gen. Pinochet im Fall Operación Cóndor für rechtsgültig. Damit ist
Gen. Pinochet das erste Ex-Regierungsoberhaupt, das im Zusammenhang mit der Operación
Cóndor angeklagt werden kann.
4. Jan. 2005: Das Oberste Gericht bestätigt mit 3:2 Stimmen die Entscheidung vom 20.
Dez. 2004.
5. Jan. 2005: Das Berufungsgericht von Santiago entscheidet, dass die Eröffnung des
Verfahrens gegen Gen. Pinochet im Fall Gen. Prats rechtmäßig ist.
25. März. 2005: Das Oberste Gericht weist die Klage gegen Gen. Pinochet im Fall der
Ermordung des Ehepaars Gen. Prats mit der Begründung ab, dass der Fall bereits
im Okt. 2002 durch die Ablehnung des Auslieferungsersuchens an Argentinien
abgeschlossen worden sei.
Ende 2004/Anfang 2005: Die Aufdeckung diverser (ca. 128) geheimer
Dollarkonten über mehrere Millionen US$, die Gen. Pinochet unter falschen
Identitäten bei ausländischen Banken unterhält, trägt zum allgemeinen
Sympathieverlust für Gen. Pinochet in Chile bei. Die chilenische und
US-amerikanische Justiz nehmen die entsprechenden Untersuchungen auf.
Erstellt von der Koordinationsgruppe Chile
(Quellen: "Der Große Ploetz - Auszug aus der Geschichte", 31. Aufl.; Amnesty International ; www.derechoschile.com)